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Landtagswahlen Südtirol
Oktober 2018
Die 10 Themen für Südtirol, die den hds bewegen und die Stellungnahmen der Parteien.

Unser Positionspapier

Landtagswahlen Südtirol Oktober 2018
Die vom hds vertretenen Wirtschaftssektoren, Einzelhandel, Großhandel und Dienstleistungen zählen fast 33 Prozent aller Unternehmen in Südtirol mit über 50.000 Beschäftigten und einer erwirtschafteten Wertschöpfung von fast 40 Prozent.

In der vergangenen Legislaturperiode sind von der Landespolitik in Rom und in Südtirol wichtige Punkte zum Wohle dieser Bereiche erreicht und von den politischen Entscheidungsträgern umgesetzt worden.
Dazu gehören vor allem: die Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut im Bereich Handel, das neue Gesetz für Raum und Landschaft mit dem Einzelhandelsverbot in Gewerbegebieten, die neue Förderung für die Nahversorgung und die neue Förderung für Klein- und Kleinstbetriebe mit gesonderter Bewertung für Handelsbetriebe.



Die 10 Themen für Südtirol, die uns bewegen, sind:

 1. Lebendige Orte und Städte entwickeln:
  • Der hds hat mit der Vision 2020 und dem neuen Leitbild seine Strategie klar definiert. „Die Qualität des Lebensraumes Südtirol durch eine gezielte Wirtschaftsentwicklung der Orte und Städte steigern”: Mit dieser Vision hat sich der hds zum Ziel gesetzt, Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Südtirols Städten, Innenstädten und Stadtteilen sowie Dörfern zu werden. Dabei spielen über den Einzelhandel hinaus auch ortsrelevante Tätigkeiten in den Bereichen Dienstleistungen, Gastronomie, Privatvermietung und ortsgebundenes Handwerk eine wesentliche Rolle.


  • Umgesetzt wird dieses Ziel auch mittels des neuen Instrumentes der „Geoanalyse“. Diese digitale Landkarte, die alle notwendigen Daten enthält, gibt Aufschluss über die Frequenzen sowie die Passantenströme und ist ein verlässlicher Indikator für die Attraktivität einzelner Bezirke, Orte oder Einkaufsstraßen. Diese Erkenntnisse können sowohl für Gemeindeverwaltungen nützlich sein als Hilfestellungen für Entscheidungen und Vorhaben, die ein Ort betreffen, aber auch für einzelne Betriebe, die sich in den Orten neu ansiedeln oder weiterentwickeln möchten. Hier spielt das Leerstandsmanagement auch eine große Rolle.


  • Einkaufen und Tourismus gemeinsam vermarkten: Es besteht ein enges Verhältnis zwischen Einzelhandel und Tourismus. Jährlich besuchen Tausende von in- und ausländischen Gästen unsere Orte wegen des bestehenden Einkaufsangebotes und wegen unserer lebendigen, attraktiven Städte und Dörfer mit ihren natürlichen Einkaufszentren. Dies ist ein Beweis mehr, dass das Einkaufsland Südtirol mit seinem vorhandenen, modernen und breiten Angebot durchaus konkurrenzfähig ist. Das Thema Shopping und Einkaufen soll verstärkt im Tätigkeitsprogramm des Wirtschaftsdienstleister IDM Südtirol eingebaut und in der Vermarktung Südtirols hervorgehoben werden. Es braucht eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Handel und Tourismus/Gastronomie und dazu neue Konzepte für die Ortsentwicklung von Seiten der zuständigen Tourismusvereine.


  • Mobilität der Zukunft Rechnung tragen: Südtirols Orte müssen zugänglich und erreichbar sein. Dazu braucht es entsprechende Rahmenbedingungen wie genügend Angebot an Parkraum und eine konsumenten- und besucherfreundliche Parkplatzbewirtschaftung. Diese sind entscheidende Wettbewerbsfaktoren zwischen den Gemeinden und beeinflussen die Attraktivität und Anziehungskraft eines Ortes. Speziell bei der Parkraumbewirtschaftung sollen Anreize geschaffen werden, um die Frequenz in den Orten zu steigern und nicht die Menschen von den Orten fernzuhalten. Innovative, innerörtliche Mobilitätskonzepte sind zu fördern (Smart City Lösungen).

2. Südtiroler Weg in der Raumordnung weiterführen:

  • Der hds setzt sich für die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung des bestehenden Handelsnetzes mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen kleinen und mittleren Fach- und familiengeführten Geschäften sowie Großverteilern in Wohngebieten ein.


  • Oberste Zielsetzung war und soll es auch in Zukunft bleiben, den Einzelhandel in den Ortskernen zu stärken und weiterzuentwickeln, um weiterhin die Attraktivität und Lebendigkeit der Dörfer, Innenstädte und Stadtviertel zu garantieren. So wie die Landwirte als Pfleger unserer Landschaft bezeichnet werden, so sind primär die Einzelhändler die Pfleger unserer Orte.


  • Beschränkte Einzelhandelstätigkeit in Gewerbegebieten: Das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft folgt weiterhin dem Prinzip, dass Einzelhandel vornehmlich in den Orten und bewohnten Gebieten ausgeübt werden kann und nur in bestimmten Ausnahmefällen – wie für sperrige Güter – in den Gewerbegebieten. Die Handelskammer sollte hier die Kontrollfunktion für die Einhaltung der Bestimmung übernehmen.

3. Nahversorgung sichern und lokale Kreisläufe stärken :

  • Im Vergleich zu den umliegenden Regionen verfügt Südtirol heute noch über eine noch großteils intakte Nahversorgung. Diese ermöglicht den Einkauf vor allem von Grundnahrungsmitteln in Dörfern und Stadtvierteln, schafft Arbeitsplätze und sorgt für Lebensqualität in unseren lebendigen Orten. Es gilt diese Struktur mit verschiedensten Maßnahmen weiterhin zu erhalten und zu stärken. Die Aufrechterhaltung des einzigen bzw. Eröffnung des ersten Nahversorgers wird gefördert. Der hds setzt sich dafür ein, dass diese Förderung weitergeführt wird.


  • Bevölkerung für Einkaufen im Ort sensibilisieren: „Einkaufen“ wird in vielen Fällen als meist genannter Grund für den Besuch von Südtirols Orten genannt. Um die Kundenfrequenz und -bindung in Städten und Dörfern zu stärken sowie Ortskerne, Stadtviertel und Einkaufsstraßen aufzuwerten, lebendig, attraktiv und lebenswert zu erhalten, gilt es Orts- und Stadtmarketing-Initiativen verstärkt umzusetzen.

  • Der hds setzt sich für Regionalität und lokale Kreisläufe ein. Diese sorgen für einen starken Wirtschaftsstandort, für Wohlstand, Lebensqualität und gesicherte Arbeitsplätze vor Ort – mit dem Ziel, Kaufkraft und Wertschöpfung in der Region zu halten. Nachhaltiges Wirtschaften, Vertrauen, lokale Produkte, lebendige Orte, garantierte Qualität und Nähe am Kunden sowie kurze Transportwege spielen dabei eine große Rolle. Der hds unterstützt und führt Initiativen durch (z.B. www.monni.bz.it), um Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu sensibilisieren. Es wird die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden (Landwirtschaft, Tourismus) und gesellschaftlichen Gruppierungen gesucht.

4. Sonn- und Feiertagsschließungen im Handel wieder regeln:

  • Der hds hat all die Jahre herauf gegen die falsch verstandenen Liberalisierungstendenzen angekämpft und ist überzeugt, dass eine Regelung im Interesse, sei es der Familienbetriebe und ihrer Mitarbeiter, als auch letztlich der Konsumenten und im Sinne der Vielfalt unseres Handels sind. Eine generelle Sonntagsöffnung ist familienbetriebsfeindlich und gefährdet letztlich die Nahversorgung und die Lebensqualität in den Orten. Der hds spricht sich gegen eine generelle Liberalisierung der Öffnungszeiten im Einzelhandel aus und für eine eigene, sinnvolle Regelung, die die Besonderheiten (Tourismus, Tradition usw.) unseres Territoriums berücksichtigt.


  • Der hds setzt sich in Südtirol und Rom dafür ein, dass die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen wieder gesetzlich geregelt werden und hat dazu einen konkreten Vorschlag ausgearbeitet.

5. Klein- und familiengeführte Betriebe unterstützen:

  • Angekurbelt werden die lokalen Kreisläufe in erster Linie von der überdurchschnittlich hohen Anzahl an kleinen und mittleren Familienbetrieben. 93 Prozent aller Unternehmen in Südtirol sind Kleinbetriebe, d.h. Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten. Viele davon sind Familienbetriebe und gehören dem Handels- und Dienstleistungssektor an. Diese gilt es insbesondere zu unterstützen.

  • Rechtsicherheit garantieren: Der hds fordert klare Normen und Gesetze, die für alle Akteure aller Wirtschaftssparten und Größenordnungen gleich gelten müssen, konsequent umgesetzt und kontrolliert werden. Auch die öffentliche Verwaltung und die zuständigen Institutionen müssen die Einhaltung der Gesetze garantieren und nicht aus Sorge von Schadenersatzforderungen so manche Gesetzesübertretung nicht beanstanden.

  • Insbesondere Förderungen zur Umsetzung von Digitalisierungsstrategien im Handel und in der Dienstleistung sollten für die Zukunft möglich werden.

6. Fachberufe aufwerten und in den Nachwuchs investieren:

  • Es braucht zeitgemäße und innovative Ausbildungsmodelle sowie neue Bildungswege und Berufsperspektiven für die Jugend. Jugendliche mit einer qualifizierten Ausbildung haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der hds führt verschiedene Aktionen durch, wie die landesweite Berufsinformationskampagne in den Mittelschulen, den Berufswettbewerb „Verkaufstalent Südtirol“, Expertenunterrichte, den Lehrgang Handelsfachwirt oder die Schnuppertage in den Betrieben, um den Jugendlichen die Vielfalt der Bereiche Handel und Dienstleistungen näher zu bringen und sie für qualifizierte Fachberufe zu begeistern.

7. Den Dienstleistern mehr Aufmerksamkeit schenken:

  • Die Dienstleister sind in ihrer Vielfalt und im Wachstum heute nach wie vor der dynamischste Sektor in Südtirol. Der hds stellt den südtirolweit größten Zusammenschluss an Betrieben der unterschiedlichsten Dienstleistungsbranchen dar.

  • Es ist entscheidend, Südtirol als Standort für Dienstleistungsunternehmen spannend, effizient und interessant zu machen, da von hier aus Märkte in ganz Europa bedient und erarbeitet werden. Wie die aktuelle Dienstleisterstudie des Wifo klar und deutlich aufgezeigt hat, wird es in Südtirol zu einem erhöhten Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften kommen. Von daher gilt es, genügend Fachkräfte auszubilden.

  • Weitere notwendige Voraussetzungen dafür sind die Sprachenausbildung, entsprechende Infrastrukturen (speziell Breitband), erreichbare Orte und eine Modernisierung der öffentlichen Verwaltung sowie eine gezielte Förderpolitik. Der NOI Techpark soll Dienstleistern zugänglich gemacht werden, um den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden.

  • Mittlerweile werden in Südtirol die vielfältigsten Dienstleistungen professionell angeboten, sodass Aufträge im Sinne der lokalen Kreisläufe und Stärkung der heimischen Betriebe entsprechend vermehrt lokal vergeben werden sollten.

8. Großhandel in seiner Brückenfunktion fördern:

  • Als Drehscheibe verschiedener Kulturen und Wirtschaftsräume ist Südtirol ein traditionsreicher Standort für den Großhandel. Dieser erfüllt als Bindeglied zwischen Produzenten und Einzelhandel eine wichtige volkswirtschaftliche Rolle. Die Bedeutung des Großhandels und die erbrachte Wirtschaftsleistung werden oft in der öffentlichen Diskussion vergessen oder unterschätzt. Der Großhandel braucht vor allem moderne und flüssige Verkehrsverbindungen.

9. Zugang zu Fremdkapital erleichtern:

  • Südtirols Klein- und Mittelbetriebe sind oft an Fremdkapital angewiesen. Somit gilt es den Zugang dazu zu erleichtern. Die Garantiegenossenschaft Garfidi erbringt Garantieleistungen für Kredit- und Darlehensoperationen und erleichtert somit den Zugang zu Finanzierungen. Garfidi bietet Kleinst-, Klein- und mittelständischen Unternehmen, sowie Konsortien und Freiberuflern somit eine konkrete Hilfe. Der Bedarf an Garantien steigt ständig, insbesondere um die Kreditposition von Unternehmen zu verbessern. Der hds stellt für die nächsten drei Jahre die Präsidentschaft. Es gilt das Garantiewesen zu stärken, auch durch eine bessere Vernetzung desselben staats- und Eu-weit.

10. Gesamtstaatlich relevante Themen mit Auswirkungen auf Südtirol berücksichtigen:

  • Mehrwertsteuer: Der hds spricht sich gegen eine (weitere) Erhöhung dieser Steuer aus, da diese erhebliche negative Auswirkungen auf die Konsumausgaben und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung haben würde. Südtirol als Grenzregion würde dies insbesondere spüren.

  • Besteuerung von Mieteinnahmen („cedola secca“): Die im Privatsektor vorgesehene begünstigte Besteuerung von Mieteinahmen sollte auch auf den gewerblichen Sektor ausgeweitet werden. Dies könnte eine Belebung des Mietmarktes erwirken mit positiven Effekten auf die Vermietung leerstehender Geschäftslokale in unseren Orten.

  • Kollektivvertragliche vorgesehene Abgaben lokal vor Ort gestalten und verwalten, um südtirolspezifischen und lokalen Gegebenheiten gerecht zu werden (z.B. Gesundheitsfond, Rentenfond).

  • Gleichstellung der Auflagen bei der Besteuerung des Onlinehandels: Es sollen hier faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Die Produkte sollten dort besteuert werden, wo der Umsatz ausgeführt wird. Es braucht eine Änderung der Besteuerungssystematik auf europäischer und internationaler Ebene.

  • Tanktourismus: Viele Südtiroler fahren über die Grenze ins nahegelegene Ausland, um dort aufgrund des großen Preisunterschiedes bei den Treibstoffen günstiger zu tanken und somit auch andere Einkäufe zu tätigen. Viel Kaufkraft fließt ab und geht somit verloren. Der hds fordert hier Maßnahmen zur Angleichung der Treibstoffpreise und zur Eindämmung von Wettbewerbsverzerrungen zum Schaden der lokalen Kreisläufe und Wertschöpfung.


Die Stellungnahmen der Parteien
Der hds hat alle Parteien und Gruppierungen, die bei den kommenden Landtagswahlen am 21. Oktober 2018 kandidieren, eingeladen, eine Stellungnahme zum Positionspapier zukommen zu lassen. Die Antworten, die eingetroffen sind, sind auf dieser Seite als Download veröffentlicht.