22/01/2026

Nahversorgung: Generationenwechsel und Betriebsnachfolge als große Herausforderung

Philipp Moser, Präsident des Wirtschaftsverbandes hds.
Der Handel und somit auch die Nahversorgung sind im Wandel – aber sie bleiben ein Schlüssel für lebendige Orte. „Wer heute über attraktive Dörfer und Stadtviertel, Lebensqualität sowie soziale Teilhabe spricht, muss vor allem die Nahversorgung mitdenken. Sie ist wirtschaftliche Infrastruktur und sozialer Kitt zugleich“, betont Philipp Moser, Präsident des Wirtschaftsverbandes hds.

Druck nimmt zu – und trifft die Kleinen zuerst
In den kommenden Jahren wird die Nahversorgung stärker gefordert sein: Preissensibilität, Online-Handel, großflächige Formate in den Zentren, steigende Energie- und Personalkosten sowie wachsende Bürokratie setzen Betriebe mit knappen Margen unter Druck. Gleichzeitig wird die Nachfolgefrage drängender: Viele Inhaberinnen und Inhaber stehen vor dem Generationswechsel, nicht überall findet sich jemand, der unternehmerische, aber auch gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.

Hinzu kommt der demografische Wandel: Südtirol wird älter, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt. Das wirkt sich direkt auf Personal, Öffnungszeiten und Betriebsorganisation aus – erhöht aber gleichzeitig die Bedeutung kurzer Wege. „Wer weniger mobil ist oder bewusst Auto-Fahrten reduzieren will, braucht ein Angebot im Ort. Nahversorgung ist auch Klimaschutz – durch weniger Verkehr, kurze Lieferketten und regionale Wertschöpfung“, unterstreicht Moser.

Selbstbedienungsläden als Lösung?
„Beobachten wir die Entwicklungen in Deutschland oder Österreich, so sehen wir, dass viele Orte und sogar Territorien ‚unterversorgt‘ sind, weil es einfach keine Geschäfte mehr gibt“, so Moser. Vielerorts geht dort die Entwicklung hin zu vollautomatischen, modernen Selbstbedienungsläden - 24/7 zugängliche Dorfläden in Containerform, teils cashless, mit Touchscreen und App, barrierefrei, energieeffizient und mit Schwerpunkt auf regionalen Produkten. „Auch in Südtirol wird einzeln begonnen, über diese Form der Nahversorgung nachzudenken – wie etwa aktuell in Enneberg oder in Latsch. Solche Modelle können dort eine Brücke schlagen, wo etwa Personalverfügbarkeit oder Nachfolgefragen an Grenzen stoßen“, erklärt der hds-Präsident.

Aber für Philipp Moser steht eines absolut fest: „Diese Konzepte sind kein Ersatz für den klassischen Nahversorger – sie können eine wichtige Ergänzung sein. Sie zeigen, wie wir Versorgung auch unter veränderten Rahmenbedingungen sichern können, ohne die Grundidee der Nähe zu verlieren. Natürlich tut es weh, wenn damit die soziale Komponente der Nahversorgung verloren geht. Von daher ist vorerst alles daran zu setzen, dass unser heutiges Modell der Nahversorgung erhalten bleibt“, so Moser.

Förderung ja – entscheidend ist das Bewusstsein
„Eine flächendeckende Nahversorgung fällt nicht vom Himmel“, sagt Moser. „Die aktuelle öffentliche Unterstützung von Land und Gemeinden ist richtig und absolut notwendig – etwa für Eröffnung, Erhalt und Digitalisierung. Aber Förderung allein kann den Dorfladen nicht ersetzen. Entscheidend ist das Bewusstsein: Jeder Einkauf ist eine Entscheidung darüber, wie unser Dorf und unser Stadtviertel morgen aussehen.“

Auftrag für die kommenden Jahre
Südtirol kann europäisches Vorbild bleiben – nicht als „Museum“, sondern als moderne Region mit starken Ortskernen. „Nahversorgung verbindet Wirtschaft mit Zusammenhalt, Tradition mit Innovation und Lebensqualität mit Nachhaltigkeit. Als hds setzen wir uns dafür ein, dass Klein- und Familienbetriebe die Werkzeuge bekommen, um ihre Rolle auch künftig zu erfüllen – mit Beratung, Weiterbildung, politischer Interessenvertretung und konkreter Unterstützung von Förderanträgen bis zu Digitalisierungsprojekten“, so Moser.

Abschließend richtet der hds-Präsident einen Appell an alle Südtirolerinnen und Südtiroler: „Wenn wir Orte wollen, in denen man einander begegnet, in denen Menschen und Familien selbstständig bleiben und kurze Wege haben – dann braucht es unseren täglichen Beitrag. Tag für Tag, Einkauf für Einkauf.“
 
 
 
 
 
 
 
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