08/04/2024

Kollektivvertrag für den Tertiärsektor, Verteilung und Dienstleistungsgewerbe

Alle Neuigkeiten auf einen Blick

Am 22. März haben Confcommercio und die Gewerkschaften die Vereinbarung über die Erneuerung des Kollektivvertrages für den Tertiärsektor, Verteilung und Dienstleistungsgewerbe unterzeichnet. Der Vertrag gilt bis zum 31. März 2027.

Mittels Erneuerung wurde zum einen der Geltungsbereich des Kollektivvertrages selbst erweitert. Der Bereich
des organisierten Vertriebs wurde um Parapharmazieprodukte und die Einbeziehung von Dark Stores ergänzt, während im Bereich der Dienstleistungen u.a. Vermietungsdienstleistungen und der Verkauf von audiovisuellen Produkten sowie von Soft- und Hardwareprodukten eingeführt wurden, ebenso wie allgemeine Verwaltungsdienstleistungen an privaten telematischen Hochschulen, Steuerberatungszentren und operative Marketingdienstleister.

In Folge fassen wir die wichtigsten Änderungen und Neuerungen zusammen, die ab dem 01.04.2024 Anwendung
finden. Die Neuerungen betreffen sowohl den wirtschaftlichen als auch den normativen Teil, d.h. einige Institute des Kollektivvertrages.

Kommission für Chancengleichheit (Art. 16 Kollektivvertrag)
Der Kommission für Chancengleichheit wurde eine zusätzliche Aufgabe zugewiesen, die darauf abzielt, die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz zu erreichen, z. B. durch die Zertifizierung der Gleichstellung. Die Kommission hat außerdem die Aufgabe, Schutzwege für Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt zu unterstützen. 

Wartestand für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind (Art. 16bis)
Arbeitnehmerinnen, die sich in einem Schutzprogramm gegen geschlechtsspezifische Gewalt befinden, welches von
den Sozialdiensten der Wohngemeinde, von Anti-Gewalt-Zentren oder Frauenhäusern ordnungsgemäß bescheinigt wurde, haben das Recht auf eine Freistellung von der Arbeit für einen Zeitraum von höchstens 90 Arbeitstagen (bezahlter Wartestand).

Sachbegründung der Einstellung mittels befristeten Arbeitsvertrags (Artikel 71bis)
Die Gründe für eine rechtmäßige Anbringung einer Frist auf Individualarbeitsvertrag mit einer Laufzeit von mehr als 12, aber jedenfalls nicht mehr als 24 Monaten, wurden definiert, wobei dies in folgenden Fällen möglich ist:

· Schlussverkäufe;
· Messen;
· Weihnachtsfeiertage;
· Osterfeierlichkeiten;
· Verringerung der Umweltbelastung;
· Tätigkeiten im Bereich des entwickelten Dienstleistungssektors (innovative Produkte);
· Digitalisierung;
· Neueröffnungen;
· vorübergehende Zunahme der Tätigkeit.

Es wird klargestellt, dass für alle Verträge mit Einstellungsdatum am oder nach dem 1. April 2024 die technischen, organisatorischen oder produktionsbezogenen Gründe (die bis zum 31. Dezember 2024 vorgesehen waren) nicht mehr angewendet werden können, da ein im neuen Kollektivvertrag vorgesehener Grund Anwendung finden muss. Auf eine derartige Sachbegründung können sich all jene Unternehmen berufen, welche den Kollektivvertrag des Tertiärsektors anwenden. Jene Gründe, welche in den vor dem 1. April abgeschlossenen Verträgen enthalten sind, bleiben lediglich bis Ablauf des betreffenden Vertrages gültig.

Saisonalität in Tourismusorten (Art. 75)
Mittels territorialen Zusatzverträgen der zweiten Ebene, können touristische Orte festgelegt werden. In diesem Fall müssen nicht nur die betreffenden Orte, sondern auch die spezifischen Aktivitäten und Zeiträume definiert werden. Die derzeit geltenden territorialen Zusatzverträge bleiben bis zu deren Ablauf wirksam.

Elastizitätsklausel (Art. 95)
Sofern in Teilzeitverträgen eine Elastizitätsklausel vorgesehen ist, wird ab dem 1. Januar 2025 die zu zahlende Zulage, zu Lasten des Arbeitgebers, von € 120,00 auf € 155,00 erhöht. Genannter Betrag ist nicht kumulierbar und muss in monatlichen Raten zur Zahlung gebracht werden.

Fondo Est (Art. 104) und Zusatzgesundheitsfond "Qu.A.S" (Art. 105)
Für den Arbeitgeber sind Erhöhungen des Beitrags vorgesehen. Für Fondo EST wurde eine Erhöhung um jeweils
€ 3,00 ab dem 1. April 2025 eingeführt; für "Qu.A.S." beträgt die Erhöhung € 20,00 ab 1. Januar 2025 sowie weitere € 20,00 ab Januar 2026.

Einstufung (Art. 115)
Die Berufsbilder sowie die Einstufungen des Personals wurden aktualisiert. Die neue Einstufung gilt für Personal, das ab dem 22. März 2024 eingestellt wird, mit Ausnahme von Lehrlingsverträgen. Für Letztgenannte gelten die Änderungen ab dem 1. Juni 2024. Einige Berufsbilder, welche nicht mehr verwendet werden, wurden gelöscht, während andere neue Berufsbilder eingeführt wurden, z.B. Leiter von Ausbildungsprozessen, Parapharmazeut, Optometrist, Angestellter des elektronischen Handels usw.

Elternurlaub (Art. 198)
Gegenständlicher Artikel wurde an die aktuelle Gesetzgebung angepasst. Demnach kann jedes Elternteil in den ersten zwölf Lebensjahren seines Kindes den Elternurlaub in Anspruch nehmen. Jener Elternteil, der den Urlaub beanspruchen möchte, muss dies dem Arbeitgeber mindestens fünf Tage vorab schriftlich mitteilen. Aus der Vereinbarung gehen alle Einzelheiten über die Dauer des Elternurlaubs hervor.

Monatliche Gehaltserhöhungen (Art. 213)
Es wurden monatliche Gehaltserhöhungen vereinbart, die in mehreren Raten gezahlt werden und sich nach der Einstufungsebene des Arbeitnehmers richten.

 Liv.  01/04/2023  01/04/2024  01/03/2025  01/11/2025  01/11/2026  01/02/2027  Totale  
Q 52,80€ 121,53€   52,08€ 60,76€ 60,76€ 69,44€ 416,65€  
I 46,982€ 109,47€ 46,92€ 54,74€ 54,74€ 62,56€ 375,35€  
I 40,58€ 94,69€ 40,58€ 47,35€ 47,35€ 54,11€ 324,66€  
III 34,69€ 80,94€ 34,69€ 40,47€ 40,47€ 46,25€ 277,51€  
IV 30,00€
70,00€ 30,00€ 35,00€ 35,00€ 40,00€ 240,00€  
V 27,10€ 63,24€ 27,10€ 31,62€ 31,62€ 36,14€ € 216,82€  
VI 24,33€ 56,78€ 24,33€ 28,39€ 28,39€ 32,44€ 194,66€  
VII 20,83€ 48,61€ 20,83€ 24,31€ 24,31€ 27,78€ 166,67€  

Operatori di vendita
     
 I categoria  28,32€ 66,08€ 28,32€ 33,04€ 33,04€ 37,76€ 226,56€  
 II categoria  23,78€ 55,48€ 23,78€ 27,74€ 27,74€ 31,70€ 190,22€  

Zusätzlich zu den Gehaltserhöhungen wurde auf der IV Einstufungsebene ein einmaliger Betrag in Höhe von € 350,00 gewährt, der auf die anderen Ebenen anteilig umgelegt werden muss.
Der Betrag ist in 2 Tranchen zu zahlen. Die erste Tranche in Höhe von € 175,00 ist im Juli 2024 geschuldet, die zweite Tranche im Juli 2025; der Einmalzahlungs-Betrag (Una Tantum) wird ausschließlich Arbeitnehmern anerkannt, die am 22. März 2024 tätig sind. Darüber hinaus wird der Betrag auf der Grundlage der zwischen Januar 2022 und März 2023 tatsächlich geleisteten Arbeitszeit, der Teilzeitarbeit, der Unterbrechungen der Arbeit usw. neu bemessen.

Die von den Arbeitgebern als künftige vertragliche Erhöhungen anerkannten und ab dem 1. Januar 2022 gezahlten Beträge sind als Vorschuss auf die Una Tantum-Beträge zu betrachten. Der durch das Außerordentliche Protokoll des Jahres 2022 gewährte Anteil wird in diesem Sinne nicht berücksichtigt, da es sich um eine Tranche der vertraglichen Erhöhung handelt.

Tabelle der Una Tantum-Beträge:
Livello  01/07/2024 01/07/2025
Quadro 303,81€ 303,81€
273,67€ 273,67€
II 236,73€ 236,73€
III  202,34€ 202,34€
IV  175,00€  175,00€ 
158,11€  158,11€  
VI  141,95€  141,95€ 
VII  121,53€  121,53€ 
 Operatori di vendita 
I categoria  165,20€  165,20€ 
II categoria  138,69€  138,69€ 

Verrechenbarkeit (Art. 216)    
Die Vereinbarung sieht vor, dass Verdienst- und Dienstalterszulagen nicht absorbiert werden können. Stattdessen können die unter Artikel 213 genannten vertraglichen Erhöhungen mit den Beträgen, die der Arbeitgeber ausdrücklich als "Anzahlung oder Vorschüsse auf künftige vertragliche Erhöhungen" anerkennt und die ab dem 1. Januar 2022 gezahlt worden sind, verrechnet werden. Damit die Erhöhungen verrechnet bzw. absorbiert werden können, müssen beide oben genannten Bedingungen erfüllt sein.

Es wird außerdem präzisiert, dass der Una Tantum -Betrag sowie die Vorschüsse auf Erhöhungen, die mit außerordentlichem Protokoll von Dezember 2022 festgelegt wurden, in diesem Zusammenhang nicht zu berücksichtigen sind und nicht absorbiert werden können.  
 
 
 
 
 
 
 
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Ihr Ansprechpartner

 
 

Dott.ssa Jasmin Lumetta

Recht und Gewerkschaften
Bereichsleiterin
Sitz: Bozen
 
T: 0471 310 422
E-Mail:
 
 
 
 
 

Dott.ssa Lisa Baumgartner

Recht und Gewerkschaften
Mitarbeiterin
Sitz: Bozen
 
T: 0471 310 423
E-Mail:
 
 
 
 
 

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