30/08/2023

Der hds Abend für die Wirtschaft 2023

Präsident Philipp Moser: „Die Wirtschaft von der Politik besser und rechtzeitig einbinden!“

V.l. hds-Präsident Philipp Moser, Landeshauptmann Arno Kompatscher, Direktorin Sabine Mayr, der zuständige Landesrat für Handel und Dienstleistung, Philipp Achammer, und Vizepräsident Sandro Pellegrini.
Jährlich lädt der Wirtschaftsverband hds Ende August zu seinem Event für die Südtiroler Wirtschaft. Heuer fand der „hds Abend für die Wirtschaft“ heute Abend (Mittwoch, 30. August 2023) im H1 Eventspace der Messe Bozen statt. Die Zusammenkunft der Unternehmerinnen und Unternehmer im Handel, in der Gastronomie und in der Dienstleistung stand unter dem Motto „Gut vernetzen, erfolgreich umsetzen“.

In seinem Eröffnungsstatement richtete hds-Präsident Philipp Moser vor allem 3 Botschaften an die politischen Entscheidungsträger:

1. Die Rolle der Wirtschaft
„Die Wirtschaft ist von der Politik einzubinden. Wir erwarten uns eine bessere Zusammenarbeit zum Nutzen aller Beteiligten. Dazu gehört eine (rechtzeitige) Einbeziehung bei Themen, die für die Wirtschaft wesentlich sind (wie z.B. beim Thema Nachhaltigkeit, Ausarbeitung Klimaplan)“, so Moser.

2. Klare Regeln
„Die Wirtschaft erwartet sich von der Politik klare und einfache Regeln, um Rechtssicherheit und Planbarkeit für die Betriebe zu garantieren. In diesen Zusammenhang erwarten wir uns den Abbau von Bürokratie, Digitalisierung und Vereinfachungen. Am Ende geht es um einen fairen Wettbewerb und um gleiche Regeln für alle – ob Groß- oder Kleinbetriebe”, betonte der hds-Präsident.

3. Orte und Städte
„Unsere lebendigen und attraktiven Orte, Dörfer und Städte, gehören zum Erlebnis Südtirol, wie etwa die schönen Landschaften oder die qualitativ hochwertigen Produkte. Von daher ist dieser Aspekt in der Bewerbung der Destination mitzukommunizieren. Die örtlichen Tourismusvereine übernehmen in diesem Sinne neue Aufgaben der Orts- und Stadtentwicklung, die allen – Gästen wie Einheimischen – zugutekommt. Der Name ‘Tourismusverein’ ist also auch zu überdenken,” fasste Moser die Forderung zusammen.

Anschließend kamen in einer moderierten Talkrunde eine Reihe aktueller Themen auf den Tisch, die den Wirtschaftsverband bewegen und die Verbandstätigkeit begleiten: Nahversorgung und lokale Kreisläufe,

Mobilität und Erreichbarkeit der Orte, Arbeitskräftemangel sowie Unternehmertum und Generationswechsel. Mit hds-Präsident Philipp Moser diskutierten hds-Vizepräsident Sandro Pellegrini, Landeshauptmann Arno Kompatscher und der zuständige Landesrat für Handel und Dienstleistung, Philipp Achammer.

Nahversorgung und lokale Kreisläufe
- Im Vergleich zu den umliegenden Regionen verfügt Südtirol heute noch über eine noch großteils intakte Nahversorgung.
- Diese ermöglicht den Einkauf vor allem von Grundnahrungsmitteln in Dörfern und Stadtvierteln, schafft Arbeitsplätze und sorgt für Lebensqualität in unseren lebendigen Orten.
- Es gilt diese Struktur mit verschiedensten Maßnahmen weiterhin zu erhalten und zu stärken.
- Es gilt, die lokale Bevölkerung für das Einkaufen vor Ort zu sensibilisieren.
- Regionalität und lokale Kreisläufe sorgen für einen starken Wirtschaftsstandort, für Wohlstand, Lebensqualität und gesicherte Arbeitsplätze vor Ort – mit dem Ziel, Kaufkraft und Wertschöpfung in der Region zu halten.
- Mittlerweile werden in Südtirol die vielfältigsten Dienstleistungen professionell angeboten, sodass Aufträge im Sinne der lokalen Kreisläufe und Stärkung der heimischen Betriebe entsprechend vermehrt lokal vergeben werden sollten. Die Dienstleister sind in ihrer Vielfalt und im Wachstum heute nach wie vor der dynamischste Sektor in Südtirol.

Mobilität und Erreichbarkeit der Orte
- Südtirols Orte müssen zugänglich und erreichbar sein – mit allen Formen der Mobilität (vor allem umweltverträglich und öffentlich).
- Dazu braucht es entsprechende Rahmenbedingungen wie genügend Angebot an Parkraum (auch für Fahrräder) und eine konsumenten- und besucherfreundliche Parkplatzbewirtschaftung.
- Die gute Erreichbarkeit ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor zwischen den Gemeinden und beeinflussen die Attraktivität und Anziehungskraft eines Ortes.
- Innovative und sanfte, innerörtliche Mobilitätskonzepte sind zu fördern und umzusetzen – sowohl für Personen als auch für Waren (Smart City Lösungen).
- Der Großhandel erfüllt als Bindeglied zwischen Produzenten und Einzelhandel eine wichtige volkswirtschaftliche Rolle. Die Bedeutung des Großhandels und die erbrachte Wirtschaftsleistung werden oft in der öffentlichen Diskussion vergessen oder unterschätzt. Der Großhandel braucht vor allem moderne und flüssige Verkehrsverbindungen.

Arbeitskräftemangel
- Es gibt nicht eine Lösung, sondern ein Bündel an Maßnahmen und Instrumenten, um die Situation zu lindern.
- Hier braucht es die Anstrengungen aller Akteure. Auch die Betriebe selbst müssen in einer Sache umstellen: Galt es bisher Produkte, Service oder Dienstleistungen zu bewerben, so gilt es heute genauso, auch den eigenen Betrieb kontinuierlich als attraktiven Arbeitgeber professionell zu bewerben.
- Handel und Dienstleistung bieten vielfältige, attraktive Jobs mit vielen Vorteilen und Benefits, wie alle Leistungen, die vom Kollektivvertrag vorgesehen sind, Vereinbarkeit/Work-Life-Balance mit Teilzeit- und Flexibilität, Vorteile der Bilateralen Körperschaft EBK und Welfare-Leistungen, zusätzliche Lohnelemente, die den Mitarbeitern zugutekommen mit geringen Nebenkosten für die Betriebe.
- Gerade Handel und Gastronomie bieten sehr gute Möglichkeiten für Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zeitliche Flexibilität im beruflichen Alltag. Es werden sehr viele Teilzeitjobs angeboten: Im Handel arbeitet fast ein Drittel aller Beschäftigten in Teilzeit (83 Prozent davon sind Frauen).
- Zudem bieten diese Sektoren berufliche Wiedereinstiegsmöglichkeiten und Möglichkeiten für Quereinsteiger.
- Jugendliche sollten bereits ab dem 14. Lebensjahr Sommerjobs verrichten können. Bisher ist das in Italien nur ab einem Alter von 16 Jahren (mit Ausnahme der Lehre) möglich.
- Es sollten die arbeitsrechtlichen Möglichkeiten und Voraussetzungen geschaffen werden, dass arbeitswillige und motivierte Rentner auch nach ihrer Pensionierung einer Arbeit nachgehen können, ohne Nachteile daraus ziehen zu müssen.
- Da aufgrund der demografischen Entwicklung klar ist, dass in Zukunft in allen Sektoren immer mehr Mitarbeiter fehlen werden und Arbeitsplätze nicht besetzt werden können, müssen wir uns auch eingehend mit der Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsabläufen – dort, wo möglich - beschäftigen. Hier liegt noch viel Potential.

Unternehmertum und Generationswechsel
- Es braucht in Südtirol mehr Unternehmertum sowie unternehmerisches Denken und Handeln in Südtirol.
- Oft findet die Rolle der Unternehmerinnen und Unternehmer in der öffentlichen Diskussion wenig bis kaum Beachtung.
- Es sind also die Weichen zu stellen, damit in Zukunft das „Unternehmer sein und werden“ weiterhin attraktiv bleibt.
- Leistung und Initiative sind zu belohnen und Innovation sowie Unternehmergeist gehören gefördert.
- Aus der jungen Generation kommen nicht nur die zukünftigen Fach- und Führungskräfte, sondern auch die Unternehmerinnen und Unternehmer von morgen. Diese gründen neue Betriebe, übernehmen aber auch bestehende Tätigkeiten, halten Arbeitsplätze und schaffen neue Arbeitsplätze.
- Die Politik hat die geeigneten, unternehmerfreundlichen Rahmenbedingungen vor allem in gesetzlicher, bürokratischer und verwaltungstechnischer Hinsicht (Stichwort: Vereinfachungen) festzulegen, damit das auch gelingen kann.

Der Wirtschaftsverband hds

Über 5500 Mitgliedsbetriebe
vertrauen dem hds. Heute deckt dieser alle innerhalb eines Ortes tätigen Wirtschaftssektoren ab: alle Formen des Handels (Einzelhandel, Großhandel, lokaler Onlinehandel, Wanderhandel), alle Formen der Gastronomie (Bars, Pubs, Restaurants, Gasthäuser, Pizzerien) und alle Dienstleistungen an der Person und an Unternehmen. 28 Fachgruppen und Fachverbände sind aktuell im Wirtschaftsverband organisiert. Über 500 Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich ehrenamtlich im Wirtschaftsverband.

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