09/02/2026

Rentnerinnen und Rentner im Job

Menschen, die sich freiwillig entscheiden, nach dem Pensionsantritt weiterzuarbeiten, sind für Südtirols Wirtschaft eine echte Chance - sie bringen Erfahrung, Verlässlichkeit und Professionalität mit. In Zeiten, in denen viele Unternehmen händeringend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen, wäre es ein Fehler, dieses Potenzial ungenutzt zu lassen, so der Wirtschaftsverband hds.

„Rentnerinnen und Rentner, die im Arbeitsleben bleiben wollen, sind eine wertvolle Ressource. Sie sichern Know-how, entlasten Teams und helfen, Fachkräftelücken zu schließen“, betont hds-Präsident Philipp Moser. „Damit das gelingt, braucht es einen steuerlich attraktiven Rahmen – für die Menschen ebenso wie für die Unternehmen. Wer weiterarbeitet, darf dafür nicht wirtschaftlich bestraft werden.“

Zahlen zeigen: Es gibt Potenzial – aber die Quote ist noch zu niedrig
Ein aktueller Überblick aus Italien unterstreicht den Handlungsbedarf: Laut Fürsorgeinstitut INPS sind nur 8,5 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten ein Jahr nach dem Pensionsantritt noch beruflich aktiv. Von diesen arbeitenden Pensionierten sind 72 Prozent Männer. Gleichzeitig altert die Erwerbsbevölkerung deutlich: Die Zahl der abhängig Beschäftigten ab 55 Jahren ist in Italien von 1,678 Millionen (2014) auf 3,525 Millionen (2024) gestiegen – also mehr als verdoppelt. Auch insgesamt nahm die Beschäftigung zu: von 14,052 Millionen (2014) auf 17,731 Millionen (2024).

Entwicklung in Südtirol
An einer anderen Zahl lässt sich die Entwicklung sehr gut voraussehen: 2024 sind laut ASTAT/INPS in Südtirol 7333 Personen in Rente gegangen und im Vergleich dazu sind 5861 Personen volljährig geworden – eine Differenz von -1472. Diese Zahl hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt: 2020 betrug das Minus noch 737.

Der wirtschaftliche Hebel ist enorm: Laut einer Analyse würde es in Italien 20,7 Milliarden Euro zusätzliches BIP bringen, wenn die Beschäftigungsquote der 60–69-Jährigen an den EU-Durchschnitt herangeführt wird. Und der demografische Druck steigt weiter: Bis 2040 könnten 5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter fehlen.

Steuerliche Stellschrauben sind entscheidend
Für den hds ist klar: Der Schlüssel liegt in klaren, einfachen und attraktiven Regeln für den Zuverdienst in der Pension – damit sich Leistung wieder lohnt und Betriebe Rechtssicherheit haben. „Wenn Rente und Lohn gemeinsam zu stark belastet werden, wird aus einer Bereitschaft schnell ein Rückzug. Das kann sich weder die Wirtschaft noch der Sozialstaat leisten“, so Moser.

Auch wenn es sich um nationale Gesetzgebung handelt, bleibt der hds dran: „Wir verfolgen die Thematik sehr aufmerksam und werden gemeinsam mit den Südtiroler Parlamentarierinnen und Parlamentariern an Lösungen arbeiten.“
 
 
 
 
 
 
 
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