11/03/2022

Explodierende Energiepreise: enorme Belastung für Betriebe und Familien

„Höchste Zeit, massiv in alternative Energien zu investieren“

Seit vergangenem Jahr sind Gas und Strom auf den internationalen Märkten mehr als fünfmal teurer geworden. Laut gesamtstaatlichen Dachverband Confcommercio könnte aktuell eine mögliche Verschärfung des Konflikts in der Ukraine gerade für Unternehmen im Handel, in der Gastronomie und in den Dienstleistungen Gesamtenergieausgaben von fast 30 Milliarden Euro bedeuten – ein Plus von über 160 Prozent im Vergleich zu 2021. „Südtiroler Betriebe, aber auch Familien sind von den Kostenexplosionen im Energiebereich stark betroffen und erschweren jetzt mit dem nahenden Ende der Gesundheitskrise den notwendigen Aufschwung in der Wirtschaft“, betont hds-Präsident Philipp Moser. Der Wirtschaftsverband hat sich vor kurzem im Rahmen eines Webinars mit der Thematik beschäftigt und die Mitgliedsbetriebe über die aktuelle Situation informiert.

Unter dem Titel „Wie setzt sich der Strompreis zusammen? Welche Spielräume hat Südtirol mit alternativen Energiequellen?“ referierten Senator Meinhard Durnwalder und Lukas Gitzl, Perito Industriale in Elektrotechnik, Geschäftsführer der Elektrowerkgenossenschaft Welsberg und Mitglied im Koordinierungsausschuss Energie im Raiffeisenverband.

Senator Durnwalder schilderte die politische Großwetterlage und von Seiten Italiens die dringliche Notwendigkeit struktureller Maßnahmen zur Lösung der Problematik, angefangen etwa bei der Verringerung der übermäßigen Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen – vor allem beim Gas. Die Ereignisse dieser Tage zeigen den Fehler auf, dass der Staat in den vergangenen Jahrzehnten seine Energiequellen und -lieferanten nicht diversifiziert hat. Die kürzlich von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zur Preisdämpfung – wie die Annullierung der Systemkosten oder die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 5 Prozent - gehen zwar in die richtige Richtung, sind aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und lösen das grundsätzliche Problem nicht.

Energieexperte Gitzl hingegen erklärte die Preiszusammensetzung und in allen Details den Aufbau einer Stromrechnung, die für die Verbraucher nicht immer klar verständlich ist. Er zeigte die Vorteile einer Genossenschaft auf sowie einige Optimierungsmöglichkeiten und Handlungsmaßnahmen, um die eigene Situation merklich zu verbessern.

Durnwalder betonte abschließend, dass Italien in alternative Energie massiv investieren wird müssen, um sich autonom aufstellen zu können. Für Südtirol sorgt die eigene Landesenergiegesellschaft dafür, dass die erwirtschafteten Gewinne im Land und in den Gemeinden investiert werden und somit auch der Bevölkerung zugutekommen. Bewährt hat sich des Weiteren das System der Genossenschaften, die vor allem lokal Strom produzieren und den Strom verbilligt an die Mitglieder weitergeben. Aber auch die Biogasanlagen haben noch Potential, da Gas weiterhin mittelfristig als Energiequelle fungieren wird.

Das Webinar ist hier abrufbar:
 
 
 
 
 
 
 
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