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04/10/2016

Smarte Welt - Digital in Richtung Zukunft

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Sie prägt gesellschaftliche Strukturen und verändert ökonomische Abläufe. Vor allem digitale Start-up-Unternehmen lassen erkennen, dass der Alltag und die Kommunikation, aber auch die Arbeitswelt und Unternehmensabläufe revolutioniert werden. Digitalunternehmer und Internetexperte Christian Baudis spricht beim diesjährigen Tag der Dienstleister über die Faszination von digitalen Start-ups und deren Bedeutung für die Gesellschaft. Das Event findet am 14. Oktober im Rahmen der neuen Dienstleistermesse MOCO in Bozen statt. Wir haben uns vorab mit ihm unterhalten.

Die Digitalisierung verändert unser Geschäfts- und Privatleben. Was bedeutet das für die Unternehmen?
Betriebe müssen sich sehr schnell Veränderungen anpassen und darauf reagieren. Ein einfaches Beispiel dafür ist das Startup-Unternehmen Sensoria, das durch digitale Socken ganze Geschäftsmodelle von einem auf den anderen Tag verändern könnte. Die Socken erfassen durch Sensoren den Laufrhythmus über eine App in Echtzeit. So kann das Laufverhalten analysiert und durch Vorschläge und Tipps der App verbessert werden. Wenn danach z. B. immer noch eine Fehlbelastung am Fuß da ist, so gibt die App Kaufempfehlungen für den richtigen Schuh. Ist dieses Produkt beim Konsumenten erfolgreich, so braucht es keinen Fitnesstrainer mehr und die Schuhe müssen nicht mehr in der Innenstadt gekauft werden. Schuhproduzenten und Geschäfte müssen auf solche Entwicklungen schnell reagieren.

Was kommt in den nächsten Jahren technologisch auf uns zu?
Es wird vor allem app- und sensorenggesteuerte Veränderungen geben, die das Konsumentenverhalten verändern. Die Digitalisierung von Prozessen wird in den mittelständischen Bereichen deutlich zu spüren sein und schnelle Veränderungen mit sich bringen. In der Agrarwirtschaft können Weinbauer jetzt schon durch Sensoren jede einzelne Weinrebe genau beobachten und gezielt mit einer Drohne anfliegen, um sie zusätzlich zu bewässern oder zu düngen.

Wird E-Commerce durch diese Entwicklungen an Bedeutung gewinnen?
Selbstverständlich. Amazon ist bereits jetzt für viele Einzelhändler eine große Herausforderung. Der Onlineversandhändler verfügt über ein großes Produktportfolie, kann die Waren hervorragend präsentieren und Konsumentenwünsche durch sein Datenmanagement schnell erkennen. Vor allem die Zielgruppe bis zu 55 Jahren wir durch App-Empfehlungen immer mehr in den Onlinebereich ausweichen. Der Einzelhandel muss sehr gute Onlineplattformen entwickeln, um die Kunden weiterhin zu halten.

Apps sind die Zukunft. Werden sie auch Webseiten verdrängen?
Ja, das tun sie schon, denn Apps sind eigentlich die besseren Webseiten. Eine Webseite informiert, die App steuert direkt zum Kaufprozess. Natürlich sterben Webseiten nicht aus, aber Apps sind wesentlich benutzerfreundlicher. Auf dem Smartphone sind sie immer präsent, das ist ein Riesenvorteil.

Auf was muss sich die Gesellschaft und die Wirtschaft langfristig einstellen?
Ich glaube, dass wir in eine Zeit kommen, die sehr schnell zu hohen Spannungen führt. Die Digitalisierung birgt unglaublich viele Chancen, aber auch sehr viele Risiken. Alles wird in sehr kurzen Zeitabschnitten auf uns einprasseln. Es wird viele Arbeitsplätze geben, die durch die Digitalisierung und künstliche Intelligenz ersetzt werden. Das sind vor allem Prozessarbeitsplätze in Banken oder Versicherungen. Produktionsarbeitsplätze in der Automobilindustrie wurden schon sehr stark robotisiert. Berufe, die es heute gibt, wird es in zehn bis 20 Jahren nicht mehr geben. Und das führt dazu, dass die Menschen, die diese Arbeit bisher getan haben, Ersatz brauchen. Hier muss die Politik ansetzen und vermehrt in Ausbildung investieren. Das Fach Digitalisierung sollte im gesamten Bildungsweg fest verankert sein.

Wie können Südtirols Betriebe von den technologischen Entwicklungen profitieren und auf was müssen sie achten?
Die Zeit der Strategien ist vorbei. Heutzutage muss gehandelt werden. Das Wichtigste ist, dass man sich mit dem Thema der technologischen Veränderung ernsthaft auseinandersetzt, viel liest und sich informiert. Ein Unternehmer sollte sich immer wieder fragen, was neue Produkte am Markt für das eigene Geschäftsmodell bedeuten können. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist in Zukunft der Erfolgsfaktor.

Wie wichtig ist Digitalisierung für Startups?
Die Digitalisierung ist für Unternehmen zum Hauptfach geworden. Früher konnte man alles an den IT-Leiter delegieren, heute muss sich die gesamte Geschäftsführung damit auseinandersetzen. Einfache Prozesse werden unglaublich beschleunigt. Die Robotisierung der Produktion und gleichzeitig die Erfassung von Daten ist bereits sehr weit vorangeschritten. Auf Konsumentenwünsche kann sofort reagiert werden. In der Automobilindustrie hat der Zyklus Produktion bis Verkauf vor sieben Jahren durchschnittlich neun Monate gedauert. Jetzt sind es zwei Monate und in sechs bis sieben Jahren werden es ein bis zwei Tage sein. Die Veränderungsgeschwindigkeit ist eigentlich das, wo die meisten Unternehmen entweder scheitern oder erfolgreich sein werden. Deshalb ist die Digitalisierung für alle Unternehmen relevant.

Brauchen Unternehmen somit eine digitale Strategie?
Langfristige Strategien zu haben ist nicht geschäftsrelevant. Der Markt muss beobachtet und gescannt werden. Unternehmer müssen wissen, was technologisch passiert, damit sie sich dann darauf einstellen können. Die kurzfristige Reaktionsgeschwindigkeit und die richtige Evaluierung der technischen Entwicklung ist der Erfolgsfaktor, nicht die Strategie. Wir leben nicht mehr in einer Welt, die sich gleichmäßig verändert, so wie früher. Meist sind dies digital-technologische Entwicklungen.

Welche Tipps geben Sie abschließend Jungunternehmern in Südtirol?
Man muss sich mit Endgeräten sehr gut auskennen. Sei es das Smartphone, der Roboter, Chip oder der Sensor. Ich habe am Anfang das Beispiel der Weinbauern angesprochen, die auf ihren Computern erkennen können, welcher Rebe es wie geht. Das kann heutzutage jeder. Im Baumarkt gibt es Drohnen und Sensoren, die ich über Wireless mit dem Internet vernetzen kann. Die Daten werden verarbeitet und daraus können Prognosen gemacht werden. Ein Unternehmen, egal ob digital oder nicht digital, kann diese Technologie nutzen, um somit sein Geschäftsmodell zu verbessern.


Christian Baudis
ist seit vielen Jahren in leitenden Positionen in der europäischen Digitalbranche tätig. Nach einer Banklehre studierte Baudis Internationales Management in Mailand und Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Nach einigen Jahren als International Key Account Manager bei DHL wechselte er 1997 als Geschäftsführer Vertrieb zur ProSiebenSat.1 Media Ag. Im Jahr 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender eines Teleshopping-Kanals. Kurz darauf machte sich Baudis selbstständig und gründete den Werbevermarkter El Cartel Media. Drei Jahre später ernannte ihn die Google Gmbh Hamburg zu ihrem Geschäftsführer. 2008 gründete er die Tremor Media Europe Gmbh, einen führenden Anbieter von Onlinewerbung für Videoportale. Im Jahr 2011 rief er das Green Tech Venture vivablu.org ins Leben, um insbesondere Start-ups im Bereich grüner und nachhaltiger Technologien zu unterstützen. 2015 gründete Christian Baudis mit My Digital ein Innovations- und Beratungsunternehmen, welches internationale Unternehmen und Organisationen in ihrer Digitalstrategie berät.
Christian Baudis spricht am Tag der Dienstleister über Digitalisierung.
 
 
 
 
 
 
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