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Lehrlinge ausbilden und einstellen: ein nützlicher Leitfaden

Veröffentlicht am 04.04.2017

Wer kann Lehrling sein? Ein Lehrverhältnis der traditionellen Lehre eingehen können Jugendliche, die zwischen 15 und 24 Jahre alt sind und wenn minderjährig, die Mittelschule positiv abgeschlossen haben. Die Lehre dauert je nach Beruf drei oder vier Jahre und endet mit der Lehrabschlussprüfung. Grundsätzlich ist es auch für Lehrlinge möglich, die staatliche Abschlussprüfung (Matura) zu erreichen.

Arbeitsverhältnis
Die Lehre zum Erwerb einer Qualifikation und eines Berufsbildungsdiploms (traditionelle Lehre) bietet jungen Menschen die Möglichkeit, nach der Mittelschule einen praktischen Beruf zu erlernen und die Bildungspflicht zu erfüllen. Die Lehre ist dual aufgebaut: Die Ausbildung des Lehrlings erfolgt am Arbeitsplatz und zusätzlich im Unterricht an den Berufsschulen (10 Wochen Blockunterricht). Die Unterrichtszeit ist somit integrierender Teil des Lehrverhältnisses und wird entlohnt.

Die Arbeitszeit für minderjährige Lehrlinge darf bei Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren nicht mehr als 7 Stunden täglich und nicht mehr als 35 Stunden wöchentlich betragen. Für Jugendliche zwischen 17 und 18 Jahren darf die tägliche Arbeitsdauer 8 Stunden und die wöchentliche Arbeitszeit 40 Stunden nicht überschreiten. Nachtarbeit ist Jugendlichen untersagt. Überstunden für minderjährige Lehrlinge sind verboten. Außerdem haben Minderjährige Anrecht auf zwei zusammenhängende Ruhetage, von denen einer der Sonntag ist.

Meldung
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Einstellung eines Lehrlings spätestens einen Tag vor Arbeitsbeginn dem Amt für Arbeitsmarktbeobachtung zu melden (telematische Meldung über das System ProNotel2). Dabei werden gleichzeitig auch alle Daten erfasst, die das Amt für Lehrlingswesen und Meisterausbildung für die Einschreibung der Lehrlinge an der Berufsschule benötigt.

Wer kann einen Lehrling aufnehmen?
Möchte ein Betrieb zum ersten Mal einen Lehrling in einem bestimmten Beruf ausbilden, muss der Inhaber oder gesetzliche Vertreter vor der Einstellung des Lehrlings, dem Landesamt für Lehrlingswesen und Meisterausbildung, anhand einer Eigenerklärung mitteilen, dass er die Standards für die betriebliche Lehrlingsausbildung erfüllt. Der Ausbilder muss eine entsprechende Qualifikation (Diplom, Lehrabschluss, Berufserfahrung usw.) nachweisen und eine vom Land anerkannte berufspädagogische Kompetenz mitbringen bzw. diese innerhalb von 6 Monaten nach Einstellung des Lehrlings nachholen (der Grundkurs für Lehrlingsausbilder hat ein Ausmaß von 16 Stunden).
Der Ausbilder muss 75 Prozent der Arbeitszeit in der Ausbildungsstätte des Lehrlings anwesend sein und bei Minderjährigen muss bei Abwesenheit des Ausbilders auf jeden Fall eine erwachsene Person anwesend sein.

Die Anzahl, der in einem Betrieb beschäftigten Lehrlinge, darf 100 Prozent der beschäftigten qualifizierten Arbeitnehmer nicht überschreiten. Arbeitgeber, die keinen oder weniger als 3 qualifizierte Arbeitnehmer beschäftigen, dürfen nicht mehr als 3 Lehrlinge einstellen.

Vorteile für den Unternehmer
Die traditionelle Lehre ermöglicht es Arbeitgebern, Jugendliche nach den jeweiligen unternehmerischen Werten und Bedürfnissen auszubilden und sich somit für die Zukunft qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern, die im Betrieb bereits gut integriert sind.

Entlohnung
Die Entlohnung der Lehrlinge wird zumeist von den jeweiligen Kollektivverträgen geregelt. Aufgrund der Besonderheiten und der Ausbildungspflichten, die ein Lehrvertrag mit sich bringt, haben Lehrlinge, im Vergleich zu einer bereits ausgebildeten Fachkraft, eine geringere Entlohnung.

Für den Handels- und Dienstleistungsbereich in Südtirol gilt bei der traditionellen Lehre, dass die Entlohnung prozentual am Lohn der qualifizierten Arbeitskraft bemessen wird.
Für die Lohnbemessung, deren Grundlage also der Bruttolohn der Zieleinstufung ist, gelten demnach für die ab 1. März 2017 abgeschlossenen traditionellen Lehrverträge, folgende Prozentsätze:
- 1. Lehrjahr: 45 Prozent
- 2. Lehrjahr: 60 Prozent
- 3. Lehrjahr: 75 Prozent
Mit diesen Prozentsätzen wird sowohl die Arbeits- und Ausbildungstätigkeit im Betrieb als auch die externe Ausbildungszeit in der Berufsschule entlohnt.

Außerdem fallen für Lehrlinge geringere Sozialabgaben an. Die Sozialbeiträge zu Lasten des Arbeitgebers betragen bei Lehrlingen 10 Prozent + 1,61 Prozent Pflichtbeiträge zur Finanzierung der Naspi.
Eine besondere zusätzliche Beitragsbegünstigung gilt für Betriebe mit maximal 9 Mitarbeitern, die für die ersten beiden Jahre der Lehre nochmals reduziertere Sozialabgaben zahlen (1,5 Prozent im ersten Jahr, 3 Prozent im zweiten Jahr + jeweils 1,61% Naspi).
Eine weitere Beitragsreduzierung für die traditionelle Lehre, die auch für 2017 verlängert wurde, sieht eine Reduzierung der Sozialbeiträge von 10 auf 5 Prozent und eine Befreiung von der Zahlung des Einmalbetrages und der Pflichtbeiträge zur Finanzierung der Naspi vor. Allerdings fehlen hier für die konkrete Anwendung immer noch die operativen Anleitungen durch das NISF/INPS, weshalb diese Möglichkeit der Beitragsbegünstigung bisher noch keine Anwendung findet.

Falls der Lehrling, nach Abschluss des Lehrverhältnisses mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag eingestellt wird, gelten für die darauffolgenden 12 Monate weiterhin die Sozialabgaben für Lehrlinge.
Außerdem sind die Lohnkosten von der Berechnungsgrundlage der Regionalen Wertschöpfungssteuer Irap absetzbar.

Vorteile im Vergabewesen
Im neuen Landesvergabegesetz ist vorgesehen, dass Betriebe, die Lehrlinge der traditionellen Lehre beschäftigen, bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt berücksichtigt werden. Für die Beschäftigung von Lehrlingen können demnach bis zu 5 Prozent der Gesamtpunktezahl betreffend alle Qualitätskriterien vergeben werden.

Staatliche Beiträge
Um die Lehrlingsausbildung in Italien zu fördern, stellt das Arbeitsministerium 8.000.000 Euro in Form von Beiträgen von bis zu 3000 Euro pro Lehrling bereit (Projekt FIxO). Zielgruppe sind private Unternehmen, die mit eigenem Personal (Ausbilder) Lehrlinge der Lehre zum Erwerb einer Qualifikation und eines Berufsbildungsdiploms ausbilden.

Lehrlingsgesetze und -verträge

Arbeitsrecht im hds


 
 
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Ihr Ansprechpartner

 
 

Sabine Mayr

Arbeitsrecht und Gewerkschaftsangelegenheiten
Stellvertretende Bereichsleiterin
Sitz: Bozen
T: 0471 310 559
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